Geschichte einer Rettungsaktion für Flori, der Zwergfledermaus

Am 25.06.2017, einem Sonntagnachmittag, fanden die 7-jährige Nina und ihre 12-jährige Schwester Anna im Garten der elterlichen Wohnung in Olfen eine kleine Fledermaus. Das Tier erfreute die Familie seit Jahren an Sommerabenden mit seinen Flugkünsten bei der Insektenjagd und gehörte fast zur Familie.  Man hatte die kleine Fledermaus ins Herz geschlossen und ihr den Namen Flori gegeben.

Flori lag nun hilflos auf dem Rasen und die Kinder jammerten : „Oh, nein! Flori ist verletzt!“ Ohne fremde Hilfe würde Flori sterben. Das durfte nicht sein! Um sie zu bergen, wurde eine Schüssel darüber gestülpt und ein Deckel darunter geschoben. Doch wer kann sachkundig helfen? Nach kurzem Familienrat und Recherche im Internet landete man bei Reinhard Loewert aus Lüdinghausen. Der seit über 15 Jahren ehrenamtliche Fledermausschützer sagte sofort seine Hilfe zu.

Nach seine Anweisungen wurde Flori mit einem festen Tuch aufgenommen und in einen mit Luftlöchern versehenen Karton gesetzt. Der wurde zugeklebt, weil Fledermäuse als Ausbrecherkönige gelten, auch wenn sie verletzt sind. Flori wurde nach Lüdinghausen gebracht und bei Reinhard Loewert abgegeben. Der stellte fest, dass es sich um ein erwachsenes Zwergfledermausmännchen handelt. Am linken Flügel war der 3. Finger gebrochen. Es ist der Ringfinger, der bei Fledermäusen im Vergleich zu uns Menschen so lang ist wie der ganze Unterarm! Ein schlimme Verletzung, die lebensbedrohlich ist.  Doch Flori schien die Verletzung zu ignorieren, denn er versuchte immer wieder weg zu krabbeln und biss um sich, als Loewert ihn mit gekonntem Griff festhielt.

Das ist aber nur eine typische Angstreaktion, kein Anzeichen von Tollwut. Nun wurde Flori mit Wasser versorgt, das ihm als Tropfen auf der Spitze eines Teelöffelt unters Kinn gehalten wurde. Denn er atmet durch die Nase, die kein Wasser abkriegen darf, weil er sonst ertrinken würde.

Außer dieser notwendigen Erstversorgung mußte nun Futter her. Aber wo kauft man am Sonntag-nachmittag noch Insekten, von denen Fledermäuse ausschließlich leben? Loewert kennt solche Situationen. Er telefonierte mit dem örtlichen Zoogeschäft konnte einen Behälter Mehlwürmer besorgen. Damit lassen sich Fledermäuse in Gefangenschaft gerne füttern. Flori sträubte sich anfänglich hat dann aber mit Genuß zerkleinerte Mehlwürmer gefressen. Damit war der erste Teil der Rettungsaktion geschafft.

Doch es musste noch die Wunde versorgt werden. Daher wurde Flori, der in seinem neuen Karton recht munter war, am folgenden Tag zur einer Kleintierpraxis gebracht. Dort wurde Floris Wunde mit Desinfektionsmittel versorgt. Die Tierärztin stellte allerdings fest, dass Flori nur von einem Spezialisten für Knochenbrüche behandelt werden konnte. Diesen gibt es aber in Lüdinghausen und Umgebung leider nicht.

Durch Loewerts Netzwerk im Kreis der bundesweit vorhanden Fledermausschützer erhielt er einen Kontakt zu einer Veterinärmedizinerin in einem Fledermausschutzzentrum in Hannover. Sie und ihr Team hat große Erfahrungen in der Behandlung verletzter Fledermäuse. Wie sollte nun unser Fledermausmännchen so schnell nach Hannover gelangen? Fliegen war ja nicht drin! Bei der Suche nach Transportmöglichkeiten konnte Loewert bei einer Mitfahrerzentrale die Adresse von Fahrern erfahren. Es stellte sich heraus, dass ein ihm bekannter Autoverkäufer regelmässig Überführungs-fahrten durchführte. Er sprang sofort ein.

Vier Tage nach seinem Auffinden in Olfen war Flori in fachkundigen Händen in Hannover. Letzte Anfragen ergaben die Gewissheit, dass sich alle Bemühungen gelohnt haben. Die Aussichten für das kleine Fledermausmännchen stehen nicht schlecht. Man hofft dort, ihn soweit hinzukriegen, dass er wieder fliegen kann. Ansonsten hat man für schwere Fälle im Fledermauszentrum eine Pflegestation, in der sich flugunfähige Tiere bei bester Versorgung in guter Gesellschaft artgerecht aufhalten können.

Nina, Anna und die ganze Familie sowie alle anderen, die an der Rettungsaktion beteiligt waren, drücken nun die Daumen, das es weiter bergauf geht mit Flori, dem fliegenden Nachtjäger, der hoffentlich vorübergehend nur Fußgänger ist.

Der NABU Coesfeld hat für die Bemühungen des Fledermausschutzzentrums eine Spende von 100,00 EUR nach Hannover überwiesen.