NABU-Vortrag in Dülmen zum Thema Fledermäuse

Am 31.01.2016 fand ein aufschlussreicher Vortrag von einem unserer langjährigen und verdienten Fledermausschützern Reinhard Loewert statt.
Es ging um eine Tierart, die durch Unwissenheit und Vorurteile erbarmungslos verfolgt und vernichtet wurde. In ganz Asien galt sie als Glücksbringer, während sie im Abendland schon in der Bibel (3. Buch Moses) schlecht geredet wird. Durch wissenschaftliche Forschung, weiß man aber heute ganz genau, dass diese Tiere entgegen der landläufigen Meinung nicht mit dem Teufel im Bunde stehen!
Reinhard zeigte auf, dass die Fledertiere sogar sehr eng mit den Menschen verwandt sind: Allerdings ist das nicht sofort erkennbar durch das Missverständnis, dass diese Tiergattung in der deutschen Umgangssprache als eine „Maus“ benannt wird. Sie hat aber nur wenig Ähnlichkeit mit ihr. Der Ausdruck „Fleder“ stammt vom mittelhochdeutschen Wort „Fleddar“, was mit „Flattern“ zu übersetzen werden kann. Wissenschaftlich wird die Fledermaus als „Chiroptera“ bezeichnet, was „Handflügler“ heißt.
Im Vortrag zeichnete Reinhard die Fledermaus beginnend mit den Augen, dann den Rumpf, Schwanz, Gliedmaßen und zum Schluss die Hände. Und tatsächlich fliegen (flattern) Fledermäuse mit den Händen. Außerdem können sie mittels der Echos ihrer Ultraschallrufe auch bei völliger Dunkelheit die kleinste Mücke orten. An der Größe der Ohren kann man Schnellflieger und Langsamflieger unterscheiden. Es sind also sehr ungewöhnliche Tiere, die man erst einmal kennen lernen muss, um sie zu mögen. Das wurde durch die lebendige Darstellung schnell deutlich.


Reinhard stellte einige charakteristische Arten vom Abendsegler über die Wasserfledermaus bis hin zur Zwergfledermaus vor. Der Abendsegler fliegt schon eine Stunde vor Sonnenuntergang und kann eine Flughöhe von 400 m erreichen. Die Wasserfledermaus ist ein Baumbewohner und jagt nur 2 cm über dem Wasser. Die Zweifarbfledermaus hat das dichteste Fell. Die kleinste Fledermaus ist die Mückenfledermaus. Sie wurde erst in den 1990er-Jahren als eigenständige Art vorgeschlagen und kann eigentlich nur durch Ihre Echoortungsrufe mit einem Detektor identifiziert werden. Ihr Zwilling die Zwergfledermaus wiegt nur wenig mehr als ein Stück Würfelzucker und findet mit zusammengefalteten Flügeln in einer Streichholzschachtel Platz. Ihr Junges passt in einen Fingerhut.


Fledermäuse sind sehr soziale Wesen und manche Arten haben sich dem Menschen angeschlossen. Sie leben versteckt auf Dachböden, in Kirchen und großen Scheunen, in Ritzen und Höhlen. Junge Fledermäuse verlassen am Ende des Sommers die Wochenstuben und da kann es auch schon mal vorkommen, dass Sie sich verfliegen und in eine Gardine hinter einem geöffneten Fenster hängen. Dann bitte nicht in Panik ausbrechen, sondern entspannt den Abflug am anderen Tag abwarten. Die Tiere hinterlassen nur leicht entfernbaren Kotpillen aus Chitinresten Ihrer Beutetiere.
Wer allerdings Vampirfledermäuse sehen will, muss in den südamerikanischen Regenwald reisen. Dort wird er merken, dass die Tiere allerdings nichts mit der Filmfigur des Grafen Dracula zu tun haben. Fürst Dracul starb um 1477 in Transsilvanien. Den Rest erfand der Romanschreiber Bram Stoker 1897.
Alle Arten der 23 heimischen Fledermäuse stehen auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere. Besonders seit 1966, als man noch das Gift DDT verwenden durfte, brach der Bestand dramatisch ein und hat sich seither nur wenig erholt. Weil ein Weibchen im Jahr nur ein Junges gebären kann, ist die Wirkung von Gift in Garten und Landwirtschaft für den Fortbestand der Tiere sehr bedrohlich. Straßenverkehr, Windkraftanlagen oder Hauskatzen tun ein Übriges dazu! Hinzu kommt der Verlust von Quartieren in Wäldern und Gebäuden, wo viele Arten im Sommer, teils auch im Winter, ihr „Zuhause“ haben. Das sind keine Nester, sondern nur wetterfeste Plätze an denen sich die Fledertiere aufhängen.
Der NABU-NRW hat in diesem Jahr in eine Aktion gestartet, bei der Privatpersonen und auch Schulen oder Gemeinden zur Beteiligung aufgerufen werden. Um eine Verbesserung des Quartierangebots für die Fledertiere zu schaffen, werden vom NABU Hausbesitzer gesucht, die den heimlichen Nachtjägern ein Zuhause geben, indem sie bereits vorhandene Quartiere erhalten oder bei einer Baumaßnahme ein neues Quartier für die Fledermäuse schaffen wollen. Als Dank und zur Anerkennung dieser aktiven Naturschutzmaßnahme erhält dann jeder neue Fledermausfreund eine Urkunde und ein dekorative Plakette für sein Haus, Schuppen oder Garage mit dem Hinweis auf das „Fledermausfreundliche Haus“.


Eine Interessante Aktion bei der in Lüdinghausen die Plakette schon viermal verliehen wurde berichtete Reinhard. Er verkniff sich nicht, dass sie damit dem Erhalt der Schöpfung dienen, was ja bei uns zu den Werten des Abendlandes gerechnet wird. Damit ging ein lebendiger und interessanter Vortrag zu Ende.

Autor: Detlev Kröger, Schriftführer und Medien