NABU-Aktion „Fledermausfreundliches Haus“

Der NABU-NRW hat in diesem Jahr in eine Aktion gestartet, bei der Privatpersonen und auch Schulen oder Gemeinden zur Beteiligung aufgerufen werden. Es geht dabei um praktischen Naturschutz zugunsten einer Tierart, die durch Unwissenheit oder Vorurteile von Menschen erbarmungslos verfolgt und vernichtet wurde. In ganz Asien gilt sie als Glücksbringer, während sie im Abendland schon in der Bibel (3. Buch Moses) schlecht geredet wird.

Aber erst seit gut 70 Jahren weiß man durch zufällige wissenschaftliche Erforschung, dass diese Tiere entgegen der landläufigen Meinung nicht mit dem Teufel im Bunde stehen!

Gemeint sind Säugetiere, die sogar sehr eng mit den Menschen verwandt sind: die Fledermäuse

Das erste Missverständnis besteht bereits darin, dass diese Tiergattung in der deutschen Umgangssprache als eine „Maus“ benannt wird. Sie hat aber nur wenig Ähnlichkeit mit ihr. Der Ausdruck „Fleder-..“ stammt vom mittelhochdeutschen Wort  „Fleddar“ was mit „Flattern“ zu übersetzen ist.  Wissenschaftlich wird die Fledermaus als „Chiroptera“ bezeichnet, was mit „Handflügler“ übersetzt werden kann. 

Und tatsächlich fliegen(flattern) Fledermäuse mit den Händen, außerdem können sie mittels der Echos ihrer Ultraschallrufe auch bei völliger Dunkelheit die kleinste Mücke orten. Es sind also sehr ungewöhnliche Tiere, die man erst mal kennen lernen muss, um sie zu mögen. Dabei merkt man, dass sie sehr putzig sind. Wer allerdings Vampirfledermäuse sehen will, muss in den südamerikanischen Regenwald reisen. Dort wird er merken, dass die Tiere absolut nichts mit der Filmfigur des Grafen Dracula zu tun haben.Ein Fürst Dragul starb um 1470 in Transsilvanien. Den Rest erfand der Romanschreiber Bram Stoker 1897.

Alle Arten der 23 heimischen Fledermäuse stehen auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere. Besonders seit 1966, als man noch das Gift DDT verwenden durfte, brach der Bestand dramatisch ein und hat sich seither nur wenig erholt. Weil ein Weibchen im Jahr nur ein Junges gebären kann, ist die Wirkung von Gift in Garten und Landwirtschaft für den Fortbestand der Tiere sehr bedrohlich. Straßenverkehr, Windkraftanlagen oder Hauskatzen tun ein Übriges dazu!

Hinzu kommt der Verlust von Quartieren in Wäldern und Gebäuden, wo viele Arten im Sommer, teils auch im Winter, ihr „Zuhause“ haben. Das sind keine Nester, sondern nur wetterfeste Plätze an denen sich die Fledertiere aufhängen.

Um hier eine Verbesserung zu schaffen, werden vom NABU Hausbesitzer gesucht, die den heimlichen Nachtjägern ein Zuhause geben, indem sie bereits vorhandene Quartiere erhalten oder bei einer Baumaßnahme ein neues Quartier für die Fledermäuse schaffen wollen. Dazu bietet der NABU durch seine ehrenamtlichen Mitglieder eine fachkundige und kostenlose Beratung an.

Als Dank und zur Anerkennung dieser aktiven Naturschutzmaßnahme erhält dann jeder neue Fledermausfreund eine Urkunde und ein dekoratives Hinweisschild für sein Haus, Schuppen oder Garage mit dem Hinweis auf das „Fledermausfreundliche Haus“.

Am 08.12.2016  wurde diese Auszeichnung  zwei Hausbesitzern  in Seppenrade  ausgehändigt. Sie gewähren sei Jahren einer Anzahl von Fledermäusen durch bauliche Maßnahmen am Giebel bzw. mittels eines Schlafkastens am Haus einen Unterschlupf. Damit dienen sie dem Erhalt der Schöpfung, was ja bei uns zu den Werten des Abendlandes gerechnet wird!

Unser langjähriger und verdienter Fledermausschützer Reinhard Loewert, der die Auszeichnung im Namen des NABU-Kreisverbandes Coesfeld überreichte, gratulierte den „Herbergseltern“ und ist sich ziemlich sicher, dass die Tiere ihnen Glück bringen werden.

Foto WN Lüdinghausen