Winterliche Exkursion im NSG Kuhlenvenn

Trotz klirrender Kälte begleitete strahlender Sonnenschein vom winterblauen Himmel unsere erste Exkursion des NABU Coesfeld im Jahr 2017.

Christian Prost und Klaus Lütke-Sunderhaus informierten Interessierte bei einem kleinen Rundgang über die teils erwachende aber größtenteils noch recht tiefgefrorene Flora und Fauna des in seiner Art in Deutschland einmaligen Naturschutzgebietes.

Den Startschuss gab Christian mit einem kleinen Vortrag über Moorgebiete im Allgemeinen und das Kuhlenvenn im Besonderen. Was heißt eigentlich Venn? Eine kleine Naturschützerin konnte diese Frage schnell klären: „Venn ist Plattdeutsch und heißt Moor!“ Christian umriss nun kurz die Geschichte des Kuhlenvenns. Es wurde in den Anfängen der wachsenden bäuerlichen Nutzung als Weidefläche und der Heidebewuchs als Einstreu für die Ställe genutzt. Der Niederwald war für die Bauern ein Ernteplatz für Feuerholz. Später folgten Torfabbau und eine intensivere Holznutzung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde mit der Erfindung der Dampfmaschine das Moor sehr schnell trockengelegt. Sandabbau für den Straßenbau und zur Herstellung von Kalksandstein führte schließlich zu einem See.

Seit 1989 wird das Gebiet wieder zurückverwandelt mit seinen charakteristischen Feuchtwiesen und Blänken. Durch Beweidung mit Weiderindern wird es vor Verbuschung geschützt. Viele Vogelarten konnten dort eine Heimat finden, z.B. das Schwarzkehlchen, der große Brachvogel und der Kiebitz. Der See zeigt sich immer wieder als Vogelparadies, welches auch Durchzügler gerne besuchen. So berichtete Klaus, dass im letzten Jahr sogar ein Seeadler zu beobachten war. Regelmäßig können auch Fischadler gesichtet werden.

 

 
 

 
 

 
 

 

Durch ein Spektiv konnten wir Graugänse, Krickenten, Stockenten und Reiherenten genau beobachten. Die sonst auch hier zu findenden Bläßgänse sind wegen der zugefrorenen Wasserfläche an den Niederrhein geflogen. Die Gänse sind regelrechte Meilensammler. Je nach Wetterlage tauschen sie ihren Standort im Tagesrhythmus. So konnten besenderte Gänse innerhalb einer Woche fast täglich entweder am Niederrhein oder im Kuhlenvenn beobachtet werden, wusste Klaus zu berichten.


 

 

 

 

 

Beim anschließenden Rundgang wurden auch einige Raubvögel beobachtet. Ein Bussard beobachtete das Treiben auf dem letzten freien Wasserplätzchen des Sees, eine Kornweihe versteckte sich in einer Wiese und verschiedene Rabenvögel genossen den sonnigen Tag. Mehrere Rotkehlchen begleiteten von Anfang an neugierig die Exkursion. Eine kleine Überraschung der Natur, Weidenkätzchen lugten schon aus ihrer Hülle.



 

 

 
 

 
 

 
Die Tour ging weiter bis zur Kopfweidenreihe im nördlichen Bereich. Dort konnte die Arbeit der fleißigen freiwilligen NABU-Mitglieder vor einigen Wochen noch einmal gewürdigt werden. Sauber geschnittene Kopfweiden sind wichtig. Nur so können sich geschützt weiterentwickeln.

Später klang öfter der Ruf „Klaauus, ich hab da noch was“ durch die kristallklare Luft. Denn es wäre keine echte NABU Exkursion gewesen, wenn nicht auch aktiv etwas für den Naturschutz getan worden wäre. So wurden Kunststoffmüll, Fast Food Verpackungen und auch leere Pfandflaschen gesammelt. Sogar ein Autoreifen wurde aus einem Graben gezogen. „Ich habe immer eine Tüte dabei, in die ich solche Sachen stecken kann!“ erklärt Klaus und die kleinsten NABU-Aktivisten machten ordentlich Gebrauch davon. Der Reifen war allerdings „Chefsache“.


 

 

 

 

 

 

Nach dem Motto „Man schützt nur das, was man kennt und liebt!“ neigte sich ein für die Teilnehmer äußerst informativer, wie auch für die Natur ein rundum erfolgreicher Sonntagvormittag dem Ende zu. Wir freuen uns schon auf die nächste Exkursion!
Autorin Nataly Platt